BABYFACE (uncut) (USA 1977)

 

Wer in den 1980er Jahren in den Erotikabteilungen von Videotheken unterwegs war, dem lächelte bestimmt das süße Mädchen auf dem Cover von Babyface entgegen. Der Film war überall präsent und das über Jahre. Der Grund für diesen Erfolg hat sich mir damals nicht erschlossen. In Erinnerung hatte ich einen konfusen und absolut sinnlosen Pornoschinken den man besten schnell vergisst. Tatsächlich ist die Fassung, die damals in deutschen Kinos lief und auf Video vertrieben wurde, großer Murx. Sie ist gegenüber dem Original um 33 Minuten gekürzt und was die Szenenabfolge angeht, komplett anders geschnitten. Auch die Filmmusik ist eine andere. Das alles war mir damals nicht bekannt und so hakte ich Babyface ab als ein weiteres Beispiel für schlechte Pornofilme. Ca. 30 Jahre später sieht die Sache anders aus, denn jetzt fiel mir die Neuveröffentlichung der Firma Tabu in die Hände, die beide Fassungen enthält, die deutsche Murxversion mit 72 Minuten Spielzeit und die ungekürzte Originalfassung, die auf 105 Minuten kommt.

In der 105 Minuten-Version ist der Film ein waschechter Klassiker mit einem sleazigen Plot und noch sleazigerer Erotik. Babyface handelt von Priscilla und Dan. Priscilla ist mit ihrer ausgeprägten Lust auf Sex sogar ihrem Lehrer verdächtig, was ungewöhnlich ist für Lehrer in Pornofilmen. Dan ist Handwerker und hat sein Leben eigentlich ganz gut im Griff. Erst als Priscilla mit einer Freundin aus der Schule kommend auf Dan trifft, beginnen die Probleme. Dan bietet Priscilla seine Hilfe an, als diese sich das Knie verletzt. Während der Freundin von Priscilla der Kerl suspekt ist und sie sich darum schnell davon macht, ist Priscilla von Dan ziemlich angetan und lässt sich gerne von ihm das Knie verarzten und anschließend vernaschen. Das schöne Beisammensein wird jedoch je gestört von Priscilla's Mutter, die mit einem Polizisten im Schlepptau ihre Tochter sucht und sie mit Dan in Flagranti erwischt. Um Ärger mit ihrer Ma zu vermeiden, lügt sie und behauptet, dass Dan sie vergewaltigt habe. Die Flucht führt Dan auf ein von zwei hübschen Hippegirls bewohntes Hausboot und schließlich in einen Bordell in dem sich gut betuchte Frauen Liebesdienste von Männern gönnen. Dort gibt es bald ein für ihn unerwartetes und vor allem unerfreuliches Wiedersehen mit Priscilla's Mutter. Sie ist Dan's Spur gefolgt ist und möchte nun Rache nehmen für die vermeintliche Vergewaltigung ihrer Tochter. Mit letzter Kraft kann Dan sich bzw. seinen Schwanz retten und um das Happy End perfekt zu machen, kommt auch noch Priscilla selbst in den Puff und klärt die Sache mit der Vergewaltigung auf. Eine Bestrafung für ihre gefährliche Lüge folgt nicht. Statt dessen kommt sie in den Genuss einer Belohnung für ihre nachträgliche Offenheit. Diese besteht aus zwei Herren, die im Bordell ihre Dienste anbieten und die sich zum Schluss nochmal ausführlich der jungen Frau annehmen.

Einerseits ist Babyface vielleicht politisch unkorrekt, denn im Zentrum steht nicht zuletzt der Sex mit einem Teenie. Andererseits sorgt das Thema Frauenbordell für einen deutlich emanzipatorischen Tenor. Frauen geben in diesem Film dem Ton an. Sie bedienen sich der Männer frei nach Belieben und manchmal auf ziemlich brutale Art. In einer Szene ist unser Hauptprotagonist übelsten Beschimpfungen und Peitschenhieben bis aufs Blut ausgesetzt. Eine andere Dame ist einfach nur maßlos: Sie lässt sich von 46 Kerlen zugleich bzw. nacheinander vögeln. Wie der gesamte Film, sind diese Begebenheiten von Ironie und Humor durchzogen, was dem Ganzen Leichtigkeit und Schwung verleiht. Regisseur Alex de Renzy war ein Könner seines Fachs und hat das vor allem in seinem berühmtesten Film Babyface gezeigt. Die Sexszenen haben Charme, der Plot spielt der Erotik in die Karten und es macht Spaß ihm zu folgen. Das groteske Ende ist albern, aber tatsächlich lustig. Was ist von einem Pornoklassiker mehr zu verlangen? Ich bin jedenfalls sehr froh, dem Film in seiner Uncut-Version nach 30 Jahren nochmal eine Chance gegeben zu haben

 

Regie: Alex de Renzy

Darsteller/Innen: Lyn Cuddles Malone, Amber Hunt, Angela Haze, Desiree West, Linda Wong, Sandy Pinney, Blair Harris, Dan Roberts, Joey Silvera, Paul Thomas u.a.

Laufzeit: 105 Minuten

next>
next>
diesen Film kaufen
diesen Film kaufen