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BEHIND THE GREEN DOOR (USA 1972)

 

Eine Frau wird entführt. Wir erfahren nichts über sie und auch nichts über das Motiv der Tat. Ist es überhaupt eine Entführung? Sonderlich empört wirkt sie jedenfalls nicht, als sie auf ein kleine Theaterbühne geleitet und dort sogleich von einer Schar junger Damen entkleidet und sexuell stimuliert wird. Auch genießt sie es, als ein großer schwarzer Mann die Bühne betritt und sie vor den Augen eines dekadenten, sich in einer Orgie verschmelzenden Publikums, vögelt. Zum Ende der seltsamen Darbietung nähern sich auf akrobatische Art vier Männer und ejakulieren über ihrem Gesicht. Diese Cum-Shot-Szene ist das Psychedelischste, was es je in einem Pornofilm zu sehen gab. Sieben Minuten lang sehen wir in schrillen Farben und zu schräger Musik das Sperma fliegen. Zum Schluss nimmt ein netter Herr die Frau mit nach Hause. Dort sind die Beiden noch in einer etwas konventionelleren, doch entzückenden Szene zu sehen.

Behind The Green Door ist ein sinnliches Kammerspiel mit streckenweise experimentellen Zügen. Die Sexszenen sind sehr explizit, doch meist viel zu abstrakt, um im strengem Sinn pornografisch zu sein. Erotik mit Gesellschaftskritik zu verbinden, hat sich dieser außergewöhnliche Film zum Ziel gemacht. Zu bedenken ist, dass Rassismus in Amerika 1975 ausgeprägter war als heute und das für viele weiße Amerikaner Sex mit Schwarzen ein Skandal war. Auch die Sexualität der Frau stand noch vor ihrer Befreiung. Beiden Themen nimmt sich der Film auf simple, doch sehr kunstvolle Weise an.

Große Publicity erhielt der Film durch Marilyn Chambers, die kurz vor Begin der Dreharbeiten noch schnell ihre Schauspielausbildung abgeschlossen hatte. Sie war dem Publikum schon vor der Premiere als das hübsche Mädchen einer Seifenwebung bekannt. Dass eine solch populäre und bildhübsche Frau in einem Porno mitspielt, war für viele Menschen unbegreiflich und ließ die Branche urplötzlich in einem anderem Licht erscheinen. Gut möglich, dass der Film ohne das Mitwirken von Marilyn Chambers nur kurz in Sex- und lange in Underground-Kinos gelaufen wäre. So aber kam alles ganz anders: Sensationslustige Kinobesucher sahen einen Film der aufzeigte, wie fließend die Grenzen von Porno und Kunst sind und gingen oftmals verwirrt nach Hause. Die Entscheidung für Marilyn Chambers war aber in jedem Fall richtig, denn sie spielt bezaubernd charmant und absolut überzeugend.

 

Regie: Artie Mitchell, James Mitchell (The Mitchell Brothers)

Darsteller/Innen: Marilyn Chambers, George S. McDonald, Johnnie Keyes, Lisa Grant, Yank Levine, Toad Athell, Ben Davidson, Adrienne Mitchell, Dana Fuller, u.a.

Laufzeit: 70 Minuten

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