LATEX (USA 1995)

 

Latex ist ein abgrundtief anregender Trip im aufwändigen Cyber-Sex-Gewand und auf jeden Fall eine kleine Sensation, denn das Auffahren von ausufernder Technik hat im modernen Porno selten zu so ansprechenden Ergebnissen geführt. Langweiliger Sex im Blockbustergewand ist leider die Regel. Andererseits tat sich auch Regisseur Michael Ninn vor und nach Latex nicht gerade durch innovative Filme hervor. Egal, denn mit dem vorliegenden Werk ist ihm ohne Frage ein überrschender Coup gelungen.

Hier stimmt alles: Tolle Darstellerinnen und Darsteller, tolle Optik und wirklich rattenscharfer Sex! Letzterer wird uns in fein abgestimmten, manchmal geradezu kaleidoskopartigen Bildern präsentiert und hat vor allem intensiven Analsex und Cum-Shot-Szenen im Fokus. Gegen Ende kommt es sogar zu der sonderbarsten Ejakulation seit Behind The Green Door: Die umwerfende Sunset Thomas, die uns vorher schon auf angenehmeste Weise durch den Film begleitet hat, lässt sich von einem komplett in Latex gekleideten Mann derart massiv vollspritzen, dass ihr Gesicht und ihre Brüste am Ende vor Sperma triefen wie nach einem Bukkake mit 100 Männern. Dass es sich in dieser Szene um Kunstsperma handelt, ist naheliegend und sei verziehen, denn es handelt sich um den definitiv stilvollsten Einsatz von Kunstsperma in der Geschichte des Pornofilms. Pornos sollen schließlich Märchenfilme für Erwachsene sein und um eine solch märchenhafte Gesichtsbesamung ins Bild zu setzen, bedarf es halt dieser offenkundigen Schummelei.

Warum der Film Latex heißt, ist klar: Gevögelt wird ausschließlich in Latex-Kleidung und masturbiert ausschließlich mit Latex-Handschuhen. Doch man muss kein Fetisch für Latex haben und an den Film Spaß zu haben. Der Stoff dient hier lediglich als hübsches Accessoire. Nur zweimal wird fetischlike auf Latex-Kleidung bzw. Latex-Handschuhe ejakuliert, der Rest ist Design. Die Handlung des Films spielt eine untergeordnete Rolle, denn Latex funktioniert als kunstvoll-orgiastisches Dauersexspektakel und verzichtet dabei gekonnt auf unnötige Dialoge. Die wenigen Worte die fallen, stehen stets im Dienst der Erotik und machen damit Sinn. Geredet wird wenn, dann mit und über einen Mann, der irgendwo in ferner Zukunft in einer Art Labor festsitzt, da er über eine unerhörte Fähigkeit verfügt: Sowie er eine Person berührt, kann er ihre sexuellen Phantasien sehen und erleben. Gegen Ende weiß sich der Herr aus der Gefangenschaft zu befreien und ein anderer Mann sitzt plötzlich in der Falle. Warum und wieso, ist, wie gesagt, nicht von Bedeutung.

Bedeutend sind dagegen die Sexszenen in denen alle leidenschaftlich bis zum Aüßersten gehen. Wie z.B. Sunset Thomas beim Vögeln die Augen verdreht, wie lebendig sie es sich selbst besorgt, dass alles korrespondiert auf ansprechendste Weise mit dem, was in dem Film noch so alles passiert. Hundeprozent gefühlsechter Sex eingebettet in wuchtige, futuristische Traumwelten, ein roter Faden der wunderbar funktioniert - das alles haben wir in so einer hohen Qualität und vor allem Intensität selten gesehen und damit ist Latex natürlich ein Meisterwerk des Pornokinos an dem niemand vorbeikommt, der Sex der etwas härteren Gangart und außergewöhnliche Erotikfilme mag.

 

 

Regie: Michael Ninn

Darsteller/Innen: Sunset Thomas, Barbara Doll, Debbie Diamond, Emerald Estrada, Jeanna Fine, Tiffany Million, Brick Majors, Carl Jammer u.a.

Laufzeit: 114 Minuten

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