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MALICE IN LALALAND (USA 2010)

 

Wäre der Film so toll wie das Cover der vorliegenden DVD, dann wäre Malice in Lalaland einer der besten Pornos aller Zeiten. Es kommt in Form eines bunten, 40seitigen Buches daher und beinhaltet eine lustige Comicversion des Films, eine ansprechende Fotocollage und eine psychedelische Zeichnung in der Buchmitte. Mit diesem Cover ist auf jeden Fall für Distinktionsgewinn in DVD-Regal gesorgt, doch wie steht es um den Film?

Ob man Malice In Lalaland mag oder nicht, entscheidet sich nicht zuletzt am individuellen Musikgeschmack. Der Großteil der Sexszenen ist nämlich mit dem Sound der belgischen Speed-Metal-Band Aguardente unterlegt und das in einer ziemlich dominanten Lautstärke. Den Schreiber dieser Zeilen, der musikalisch wirklich für vieles offen ist, doch leider nicht für Speed-Metal, geht das ziemlich auf die Nerven, aber zumindest gibt es für die Musik schon einmal einen Pluspunkt für eine gewisse Undergoundästhetik. Und hat überhaupt jemand mal etwas von der Band Aguardente gehört? Wir haben uns intensiv bemüht über diese Urheber des Lärms etwas herauszufinden und haben so gut wie nichts gefunden. Also schon wieder Underground. Aber ist Malice in Lalaland denn auch ein Ungerground-Porno? Hierzu ein klares "nein". Der Film spielt zwar mit Ungerground-Motiven, doch geschieht das mit zu viel Berechnung und technischer Perfektion.

Vielmehr haben wir es mit einem eindrucksvoll fotografierten Videoclip zu tun, der vergeblich versucht ein Roadmovie von Quentin Tarantino oder David Lynch zu imitieren, doch der dennoch gar nicht so schlecht ist. Wie der Titel andeutet, ist die Story des Films angelehnt an Alice in Wonderland, doch mit dem Märchen von Lewis Carroll hat der Film eigentlich nur den berühmten kleinen Hasen gemein: Malice (hinreißend gespielt von Superstar Sasha Grey), nascht von einem psychoaktiven Pilz. Der Rausch scheint kein schöner zu sein, denn in der nächsten Szene sehen wir sie in einer Nervenheilanstalt an ein Bett gefesselt. Dort hält es Malice nicht lange, denn schnell kommt eben jener kleine Hase in ihre Zelle und befreit sie. Ein total gestörter Anstaltswärter nimmt die Verfolgung auf und die Reise durchs Lalaland nimmt ihren Lauf. Malice lernt auf ihrer Flucht einige schräge Vögel kennen und mit einigen hat sie Sex oder schaut ihnen beim Sex zu.

Das ist alles schön anzusehen, doch wirklich tragen tut die Handlung den Film nicht. Es gibt atmosphärische Kamerafahrten durch das Lalaland bzw. durch die Wüste von Arizona, die dem ganzen ein wenig 70er-Jahre-B-Movie-Charme verleihen, doch leider keine spannenden oder überraschenden Regieenfälle (diese gibt es in den Alice in Wonderland-Adaptionen von Bud Townsend und Jonas Middleton). Der kurze Abschnitt mit Pornolegende Ron Jeremy ist eine weitere Referenz an die goldenen 70er, doch fällt diese hochnotpeinlich aus. Anstatt mit Ron irgendwas vernünftiges anzustellen, lässt man ihn nur stumpfe Sätze wie "more big tits, please" grunzen. Ohne vorher in sexuelle Angelegenheiten verwickelt zu werden, wird er schließlich von dem gestörten Anstaltswärter erschossen. Der lieblose Umgang mit einen der Hauptprotagonisten des Golden Age of Porn bezeugt, wie es um Mailice In Lalaland dramaturgisch bestellt ist, nämlich gar nicht bis ziemlich flach. Wie die Jagd nach Malice ausgeht, sei an dieser Stelle auch deshalb nicht verraten um die Spannung zu erhalten, sondern weil das Ende wirklich komplett egal ist.

Wichtig ist dagegen noch einmal betonen, dass der Film trotz der genannten Schwächen seine Qualitäten hat. Von einem wegweisenden Werk auf dem Gebiet der Pornokunst, als das der Film vielerorts gehandelt wird, kann zwar keine Rede sein, doch etwas kreativen Witz und stivoll gefilmten Starkstrom-Porno bietet der Film allemal. Er überzeugt auf die selbe Art wie eine abgedrehte Show von Lady Gaga, nur eben mit Speed-Metal-Sound und Hardcoresex. Letzterer hat es zum Teil in sich. Vor allem die ersten Szenen (die Aufseherin der Heilanstalt und die Männer aus dem Eisfach/ Malice und ihr asiatischer Freund im Hotel) sind ziemlich heiß. Auch der in Rotlicht gehaltene Lesbenpart, den Malice gleich mit zwei Damen hat und ein zweiter Auftritt des Asiaten ebenfalls mit zwei Damen machen ordentlich was her (wenn nur die laute Musik nicht wär... ). Andere Sexszenen des Films sind vergleichsweise langweilig, aber vier originelle Pornoeskapaden im coolen Ambiente sind doch schon mal ein Wort.

 

Regie: Lew Xypher

Darsteller/Innen: Sasha Grey, Dirty Fred, Stephen Powers Andy San Dimas, Keni Styles, Ron Jeremy, Danny Mountain, Chayse Evans, Chris Johnson, Alan Stafford, Kagney Linn Karter, Jesse Capelli, MacKenzee Pierce, Alyssa Reece, Kristina Rose, Julez Ventura, Sadie West, Tommy Gunn, Billy Glide, Phoenix Marie, Jenna Presley

Laufzeit: 98 Minuten

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